SOS-Menschenrechte Österreich
Viele Gesellschaften unterscheiden nur zwei Geschlechtergruppen und erkennen auch rechtlich nur zwei Geschlechter (Sex) an: Frauen und Männer. Wenn Menschen in Bezug auf ihren Körper (biologisches Geschlecht), ihre Geschlechtsidentität (psychisches Geschlecht), ihre Geschlechterrolle/-präsentation (soziales Geschlecht) und/oder ihr Begehren (sexuelle Orientierung) aus der gewohnten und erwarteten Rolle fallen, löst dies immer noch Irritationen, Ablehnung oder Sanktionierungen aus.
Darüber hinaus unterliegen Geschlechterrollen stetigen kulturellen Veränderungsprozessen. In modernen Gesellschaftsordnungen lösen sich klassische Zuschreibungen an Geschlecht zunehmend auf, bzw. soziale Strukturen (z.B. Familie) werden neu definiert. Was „Mann sein“ oder „Frau sein“ bedeutet kann stets von neuem beantwortet werden. Dazu kommen neue Kategorien wie Intergeschlechtlichkeit. Das Zusammentreffen unterschiedlicher Biographien und Lebensumstände, kulturelle Diversität und Generationenunterschiede prägen diesen Prozess.
Für die konkrete Arbeit in den Workshops mit Kindern und Jugendlichen kann dies zum einen Bedeuten gesellschaftliche Vorstellungen gemeinsam zu erkennen und aufzubrechen und eine neue Auswahl an Möglichkeiten, die im besten Fall viele (Gefühls)Welten widerspiegeln, zu erarbeiten. Die Frage nach der eigenen Identität ist eine primäre Entwicklungsaufgabe von jungen Menschen.